Einer der Großen im Straubinger Maschinenbau sagt leise “SERVUS”!

Josef Moll gab zum 1. Juli 2020 die Geschäftsführung der MOLL Automatisierung an seine Nachfolger ab. Als Bürgermeister von Leiblfing wird er sich künftig vor allem um das Wohl seiner Heimatgemeinde kümmern.

Rofa Group Moll Abschied Josef Moll
Foto: MOLL Geschäftsführer Josef Moll
1985 – in einem Jahr, in dem ein gewisser Boris Becker mit gerade mal 17 Jahren als erster Deutscher das Tennisturnier von Wimbledon gewann – wollte auch ein anderer junger Mann aus dem niederbayerischen Leiblfing hoch hinaus. Statt eines Tennisschlägers hielt Josef Moll jedoch lieber einen Drehmomentschlüssel in der Hand.

In Kombination mit seinen handwerklichen Kompetenzen, unternehmerischen Mut und unerschütterlichen Selbstvertrauen, vereinigte er Eigenschaften, die für den Aufbau eines eigenen Unternehmens wie geschaffen waren. Als 20-jähriger Absolvent der Meisterschule Passau, damit jüngster Maschinenbaumeister Bayerns, übernahm er Anfang der 80ger Jahre die Geschäftsführung der damals gerade einmal vier Mitarbeiter beschäftigenden MOLL Maschinenbau. MOLL entwickelte und baute damals noch Landmaschinen – und hielt sich damit eher schlecht als recht über Wasser: Für den jungen Josef Moll ein Zustand, der so auf Dauer nicht hinnehmbar war.

Bereits in seinem ersten Jahr als Geschäftsführer setzte er daher sämtliche Hebel in Bewegung, um als Lieferant für Förderanlagen, von denen man im Betrieb bis dato nur aus Katalogen wusste, gelistet zu werden. Rückblickend weiß man: Diese Entscheidung war die wichtigste seiner beruflichen Karriere, denn damit legte er den Grundstein für ein neues, erfolgreicheres und weitaus größeres Unternehmen.


Nach erfolgreichem Einstieg als Zulieferer für die Automobilindustrie und den damit wachsenden unternehmerischen Anforderungen holte sich Josef Moll mit Franz Bayer einen erfahrenen, kompetenten Geschäftspartner an die Seite. Fortan sollte eine Doppelspitze die Firmenentwicklung vorantreiben. Das gelang so gut, dass MOLL binnen kurzer Zeit weit über die Dimensionen der alten Eschlbacher Werkstatt hinauswuchs. 1991 baute man daher im neuen Gewerbegebiet vor Leiblfing eine Produktionsstätte mit einer rund 36.000 Quadratmeter großen Betriebsfläche auf, um so auch kapazitativ mit den Großen der Automobilzuliefererbranche mitspielen zu können.


Mit dem Einzug der damals 28 Mitarbeiter in die neue Firmenstätte hatte Moll erkannt, dass er in Zukunft verstärkt auf Leistungen im Bereich Engineering setzen musste, um dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben zu können. Aus dieser Erkenntnis heraus baute er zusammen mit dem damaligen Konstruktionsleiter und späteren Mit-Geschäftsführer Manfred Rüth eine eigenständige Konstruktionsabteilung auf. Nun war es als Generalunternehmer möglich, von der Konstruktion über die Produktion und Montage bis hin zur Inbetriebnahme alles aus einer Hand anzubieten – aus unternehmerischer Perspektive ein Quantensprung.


Nach jahrelangem harten Kampf um die Gunst der OEMs gelang es Moll und Bayer 1996, den ersten Großauftrag jenseits der 10-Millionen-DM-Marke an Land zu ziehen. Schon frühzeitig zeichnete es sich dabei ab, dass MOLL diese Bewährungsprobe bestehen würde. Mit einer solchen Referenz im Portfolio konnte sich das Unternehmen nach und nach als fest Größe in der Automobilindustrie etablieren und in der Folge global operierende OEMS wie Audi, Volkswagen und Daimler als weitere Kunden gewinnen. Größere Auftragsvolumina gehen aber natürlich einher mit mehr Platzbedarf: Schon wenige Jahre nach dem Neubau in Leiblfing stieß Moll erneut an Grenzen im Bereich der eigenen Fertigungskapazitäten. In der Konsequenz daraus ließ er den Stammsitz des Unternehmens durch den Bau von zwei Hallen (mit einer Nutzfläche von etwa 3.500 qm) sowie den weiteren Aufbau des Konstruktionsbüros (um ca. 250 qm) erweitern.


Nach anderthalb Jahrzehnten fortlaufendem Wachstum durchlebte der Firmengründer 2001 einen ersten unternehmerischen Rückschlag. Infolge eines technischen Defekts brannte die neu gebaute zweite Produktionshalle fast bis auf die Grundmauern nieder. Der Wachsamkeit und Reaktionsschnelligkeit eines Mitarbeiters war es zu danken, dass nicht das gesamte Werksgelände den Flammen zum Opfer fiel.


Nach dem Wiederaufbau und der sich direkt daran schließenden Werkserweiterung um eine dritte und vierte Produktionshalle (mit einer Nutzfläche von je rund 2.000 qm) konnte man seinen Expansionskurs jedoch unbeirrt fortsetzen – dies auch auf globaler Ebene. Erster Großauftrag für den amerikanischen Markt war 2003 die Lieferung von Förderanlagen für das BMW-Werk in Spartanburg/South Carolina. In den Folgejahren wuchs die Mitarbeiterschaft von MOLL auf 140 an – verteilt auf mehrere Standorte u. a. Leiblfing, Sindelfingen, oder Braunschweig.


Nach dem Verkauf von MOLL Maschinenbau an die österreichische Unternehmensgruppe EK-Finn erlebte Josef Moll aus der Ferne mit, wie „seine“ Firma – nicht zuletzt als Folge der weltweiten Wirtschaftskrise 2009 – in den Strudel der Insolvenz geriet. Zwischenzeitlich Geschäftsführer des neugegründeten Ingenieurbüros MAT in Perkam, stand Moll damals im engeren Kontakt mit den Vorständen der ROFA Group, so eng, dass diese schließlich von dem Kauf und der Eingliederung der neu gegründeten MOLL Automatisierung in die Unternehmensgruppe überzeugt werden konnten.


Die Vorstandschaft der ROFA Group, um den Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kozsar, knüpfte den Kauf von MOLL indes an eine Bedingung: die Rückkehr Josef Molls als Geschäftsführer. Gemeinsam mit Manfred Rüth nahm Moll in dieser Funktion die neue Herausforderung, den wirtschaftlichen Wiederaufbau seiner eigenen früheren Firma, an. Gestärkt durch die Firmenmutter ROFA und mit hohem persönlichen Einsatz, nahm er Kontakt zu alten Weggefährten auf und brachte die MOLL Automatisierung wieder in ruhiges Fahrwasser. Seine ersten drei Jahre als neuer „alter“ Geschäftsführer meisterte er so erfolgreich, dass der Bau einer weiteren Werkshalle (mit einer Nutzfläche von ca. 2.500 qm) nötig wurde, um dem steigenden Bedarf an Fertigungskapazitäten nachzukommen.


2014 kehrte das Duo Moll/Rüth dann endgültig in die Erfolgsspur zurück. Seit ihrem Wiedereinstieg hatten sie den Firmenumsatz um – märchenhafte – fünfzig Prozent steigern können!


Nachdem er Strukturen und Prozesse im Unternehmen optimiert, den Aufbau der IT-Infrastruktur auf Top-Niveau vorangetrieben sowie den Bau einer weiteren Montagehalle in Auftrag gegeben hat, entschied sich Josef Moll die Leitung des Betriebs in jüngere Hände zu legen. Nach zweijähriger gemeinsamer Firmenleitung übergab er schließlich zum 1. Juli 2020 die Geschäftsführung an seine Nachfolger Stefan Bauer und Thomas Wittmann.


Josef Moll im Ruhezustand? – undenkbar. In seinem wohl letzten großen Projekt geht es um seine Heimat – die Gemeinde Leiblfing. Als frisch gewählter Bürgermeister hat er, ähnlich wie beim Aufbau seines Unternehmens, eine klare Vorstellung davon, wie er hier künftig gestalterisch und produktiv tätig sein will. Diese, seine Vision möchte er in den kommenden Jahren verwirklichen. Die Chancen dafür stehen gut, denn man kennt ihn als einen. der seinen Worten stehts Taten folgen ließ!

Als Geschäftsführer der MOLL Automatisierung wird Josef Moll als jemand in Erinnerung bleiben…

  • der noch alle Angestellten persönlich kannte und auch stets deren private Lebenssituationen im Arbeitsalltag berücksichtigte
  • der jedem Mitarbeiter das Gefühl vermittelte, ein wichtiger Bestandteil seines Unternehmens zu sein
  • der sein Herz auf der Zunge trug und fachlich wie menschlich zu überzeugen wusste
  • der stets bemüht war, Privates und Berufliches im Gleichgewicht zu halten
  • dem soziales Engagement sehr wichtig war
    dem Werte und Traditionen, vor allem bayerische Brauchtümer, viel bedeuteten
  • der – alles in allem – während der gesamten Zeit, in der er Verantwortung für die Firma trug, ein bodenständiger Geschäftsführer mit viel Herzblut, Empathie und Enthusiasmus geblieben ist, wie man ihn in der heuten Zeit nur noch sehr selten findet!

 

Die gesamte Belegschaft der MOLL Automatisierung – einschließlich der Geschäftsführer Stefan Bauer, Thomas Wittmann sowie der Vorstand der ROFA Gruppe – bedanken sich bei Josef Moll für viele wunderbare Jahre der Zusammenarbeit und für über 250 gesicherte Arbeitsplätze im Landkreis Straubing-Bogen.

Danke „Sepp“ und alles Gute für deine Zukunft!

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